Internet, LSD und die 68er

Di 4 März 2008 09:01, Falk Madeja, 1849 views

Rainer Langhans, einer von Deutschlands bekanntesten 68ern, verstört momentan die Medien mit einigen kryptischen Aussagen zum Thema Internet. Er hat nämlich seine Autobiographie "Ich bins" geschrieben und darum einige Pressetermine zu absolvieren. Ausserdem lebt er nicht mehr mit seinen 5 Frauen zusammen. Seine kleine Wohnung in München Schwabing sei dafür "zu karg". Wir kennen die kleinen Wohnungen in Schwabing und können die 5 Frauen daher begreifen.
Internet, LSD und die 68er

Bei Focus wurde dieser Termin mit etwas Widerwillen absolviert. Focus-Kollegin Kerstin Holzer sah im Münchner Szene-Cafe "King" (nicht zu verwechseln mit dem Berliner Wett-Cafe "Cafe King") Rainer Langhans mit "einem leidenden Zug um seinen Lippen", ansonsten "einen ganzen schmalen Mann, eine beleidigte Leberwurst, gewickelt in weiße Baumwolle". Den Zuschauer habe "großer Verdruss" erfasst. Und dann die großen Worte: "Wir haben die Jugendkultur erfunden! Das Internet entstammt unseren Visionen! 1968 hat gesiegt!" Kerstin Holzer hielt hoffentlich bis zum Ende durch, sie ertrug den Mann mit "Leichenbittermiene" aber wohl nur mit Mühe, einen Mann, der "schon Kuscheln als 'gewalttätig' empfindet". Ein Mann, der am Ende auch noch der 68er-Ikone Uschi Obermaier "erotisches Unvermögen" attestiert...

Im "SZ-Magazin" kam Langhans dann etwas längert zu Wort. Auch hier hämmert er auf das Internet ein. "Ich glaube, dass wir nicht nur kulturell gewonnen haben, sondern dass sich die Welt durch unseren Anstoß auf der ganzen Linie weiter entwickelt hat."

In welche Richtung, will SZ-Magazin-Interviewerin Christine Zerwes wissen. "Die jungen Leute wissen heute: Die echte Welt ist schlecht. Deswegen haben sie einen großen Teil ihres Lebens ins Internet verlegt. Und das Internet entstammt unseren Visionen! Die Kommune hatte eine virtuelle bessere Welt aufgebaut - das heutige Internet ist eine Art Simulation dessen, was wir damals schon ohne Elektronik gelebt haben." Da Frau Christine Zerwes natürlich verdattert: "Meinen Sie das ernst", fragte sie erschüttert: "Ja. Im Internet kann sich jeder lieben, jeder kann mit jedem zusammen sein. Man braucht kein Geld, es gibt keine Gier, keinen Mangel." Kurzum, die Leute würden sich "vergeistigen, virtualisieren" wie es früher nur für "kurze Zeit, etwa mit LSD" gelungen sei.


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